Hilfsgüter auf der Reise von Oelsnitz nach Bobo Dioulasso

Containerverladung
Vom Oelsnitzer Spendenlager des Vereins „Kinderhilfe Westafrika“ geht abermals ein Container mit Hilfsgütern ins burkinische Ausbildungszentrum Dorcas.

Fahrt aufnehmen! Das wird zu Wochenbeginn der Container mit Hilfsgütern des Vereins „Kinderhilfe Westafrika“. Ausgangspunkt ist das Spenden-Sammellager in der Oelsnitzer Schillerstraße, betreut durch Bernd Weißbach. In Bremerhaven wird der Container an die Elfenbeinküste verschifft, von dort wird er auf dem Landweg nach Burkina Faso gebracht, das zu den weltweit drei ärmsten Ländern gehört. Mitte November werden die Sachspenden ans Ziel gelangen, dem Ausbildungszentrum Dorcas in Bobo Dioulasso, der zweitgrößten burkinischen Stadt.
Hier bekommen Mädchen aus sehr armen Verhältnissen eine Schneider-Ausbildung inklusive einer Grundausbildung, Verpflegung und am Ende eine Nähmaschine als Existenzgrundlage. Der Verein hilft aber auch Waisen, in Kindergärten und Schulen. Anliegen ist das nachhaltige Helfen, Hilfe zur Selbsthilfe geben, erklärt Bernd Weißbach. 180 Mädchen erhalten derzeit die dreijährige Ausbildung, in Benin läuft dieses Projekt nun auch in den Anfängen, wo 12 Mädchen die Lehre begonnen haben. Dafür nehmen die Vereinsmitglieder jederzeit alte Nähmaschinen an, auch defekte. Die Fachmänner Rainer Liebold aus Zeulenroda und Matthias Florin aus Hessen bringen sie wieder zum Laufen. Großartige Hilfe leistete Edelgard Platte aus Nordrhein-Westfalen, die über 70 Nähmaschinen für diesen Zweck in ihrem Umfeld gesammelt hat. 120 Nähmaschinen, Schulausrüstung, Krankenhausbetten, Solartechnik, Werkzeuge, Spielsachen und mehr wurden von den 13 fleißigen Helfern am Samstag verladen. 10.000 Euro kostet der Transport, etwas 7.000 Euro werden durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert.
Arme Kinder von der Straße weg holen! Um diesen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen, dafür macht sich seit 2001 vor Ort Elisabeth Oubda stark. Der Verein unterstützt sie dabei auf vielfältige Weise. Ein Pkw ging für sie mit auf die Reise, so dass sie endlich mobil agieren kann. Dieses Problem stellte sich kurzfristig auch den Oelsnitzer Helfern, deren Stapler ausgefallen war. Schnell und unbürokratisch half die Firma D&S Agri, so dass die Verladung reibungslos verlaufen konnte. Unter anderem fand Solartechnik ihren Platz im Container. Kabelmaterial und Lehrgeräte stellten zwei Klingenthaler Betriebe. In Zusammenarbeit mit dem Verein Lernen-Helfen-Leben sollen vor Ort Techniker geschult werden. Bernd Weißbach wird im Dezember selbst erstmals nach Burkina Faso reisen. Mit Arwed Milz aus Hamburg lernt der Oelsnitzer Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik Einheimische an, Solaranlagen als Ladestation für Akkus selbst aufzubauen, ein Beispiel der Hilfe zur Selbsthilfe. Das Problem: eine Familie von 20 bis 25 Personen benötigt für ihre Kleingeräte jährlich 900 bis 1100 Einwegbatterien, die nach Gebrauch auf der Bodenoberfläche entsorgt werden, dort erodieren und die Böden vergiften. Die Alternative sind wiederaufladbare Batterien, die helfen, Unmengen Müll zu vermeiden und Kosten einzusparen.
Der aktive 70jährige Oelsnitzer wird Ende des Jahres selbst sehen, wie die soziale Lage in Burkina Faso ist. Ganzjährig nimmt er in der Schillerstraße 20 Hilfsgüter entgegen. Für die Zukunft hofft er, jährlich mehr als einen Container auf Reisen schicken zu können. Gern nimmt er für die gute Sache Spenden entgegen, alles wird genauestens katalogisiert. Neben Nähmaschinen werden auch gern gebrauchte Computer angenommen. Dankbar ist man zudem für Stoffe, da in Ermangelung dessen die Mädchen teilweise auf Papier nähen. Schulmaterial ist ebenso willkommen. Was für die Mädchen gilt, das soll auch künftig für Straßenjungen möglich sein. Bisher existiert ein Fußball-Projekt, doch auch für Jungen soll es eine Berufsausbildung geben, um in ein geordnetes Leben einzusteigen. Große Ziele, großartige Helfer, die sich bei allen Spendern herzlich bedanken!
Quelle: Vogtlandanzeiger